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Wiener Porzellan aus dem Augarten

Hinter den Mauern des barocken Augartens wird seit 1923 Porzellan gedreht, gegossen und von Hand bemalt. Die Tradition dahinter ist fast dreihundert Jahre alt.

Illustration einer Porzellanmalerin beim Bemalen einer Rosentasse in einer Werkstatt.

Zwei Kapitel einer Geschichte

Die Geschichte des Wiener Porzellans beginnt 1718: Der aus den Niederlanden stammende Claudius Innocentius du Paquier gründete in Wien eine Manufaktur – nach Meißen (1710) die zweite in Europa. Produziert wurde im heutigen 9. Bezirk, woran die Porzellangasse im Alsergrund bis heute erinnert.

1744 kaufte das Kaiserhaus unter Maria Theresia den Betrieb. Seitdem trägt Wiener Porzellan als Marke den Bindenschild, das alte österreichische Wappen. 1864 wurde die kaiserliche Manufaktur geschlossen.

Das zweite Kapitel begann am 2. Mai 1923: Im Schloss Augarten, einst Erholungsort der kaiserlichen Familie, eröffnete die „Wiener Porzellanmanufaktur Augarten“. Sie knüpft an die alte Wiener Manufaktur an und verwendet bis heute einen Teil ihrer Entwürfe.

Vom Rohstoff zur Tasse

Porzellan besteht aus nur wenigen Zutaten – Feldspat, Quarz, Kaolin und Wasser. Das genaue Mischungsverhältnis hütet jede Manufaktur als Geheimnis. Im Augarten geschieht alles unter einem Dach:

  • Runde, offene Formen wie Tassen und Teller entstehen auf der Drehscheibe, ovale und eckige Stücke und Teile von Figuren werden in selbst gefertigten Formen gegossen.
  • Nach dem Trocknen folgt der erste Brand. Dabei schrumpft das Stück deutlich.
  • Dann erhält es die blaue Marke, wird glasiert und ein zweites Mal bei noch höherer Temperatur gebrannt.
  • Erst danach kommt es zu den Malerinnen und Malern. Bemalt wird von Hand – deshalb gleicht kein Stück genau dem anderen.

Im Gespräch mit Code 43 erzählte die damalige Museumsleiterin Marina Yolbulur-Nissim 2013, dass allein das Erlernen des einfachsten Dekors rund drei Jahre dauert.

Entwürfe mit Namen

Neben den klassischen Services „Maria Theresia“ und „Wiener Rose“ arbeitete die Manufaktur von Anfang an mit Künstlern und Designern. Josef Hoffmann, Mitbegründer der Wiener Werkstätte, entwarf unter anderem das Kaffeeservice „Melone“; Ena Rottenberg schuf Art-déco-Entwürfe, die bis heute gefertigt werden.

Museum und Führungen

Seit 2011 zeigt das Porzellanmuseum im Augarten in einem Seitenflügel die Geschichte des Wiener Porzellans von 1718 bis heute – in alten Produktionsräumen, in denen noch ein großer Brennofen aus dem frühen 20. Jahrhundert steht. Bei Führungen durch die Manufaktur lässt sich die Arbeit an den einzelnen Stationen beobachten. Termine, Öffnungszeiten und Preise bitte vorab bei der Manufaktur prüfen.

Dieser Beitrag beruht auf dem Interview „Венская роза“ („Die Wiener Rose“) von Natalja Nowik im Magazin Code 43, Winter 2013/2014, und wurde für code43.at neu bearbeitet.

Quellen & Hinweise

  1. Porzellanmanufaktur Augarten – official website
  2. Wikipedia: Porzellanmanufaktur Augarten

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