Prinz Eugen: ein Palais in der Stadt, ein Belvedere vor der Stadt
Frankreichs König wollte ihn nicht, Wien machte ihn zum Feldherrn. Seine Siege liegen meist jenseits der heutigen Grenzen – seine Paläste stehen mitten in Wien.
Vom Abgewiesenen zum Feldmarschall
Prinz Eugen von Savoyen (1663–1736) wurde von Ludwig XIV. nicht in die französische Armee aufgenommen und trat in den Dienst der Habsburger. Er machte eine steile Karriere: mit 30 Feldmarschall, später Präsident des Hofkriegsrats. Nach dem Sieg bei Zenta 1697 über das Osmanische Reich hatte er die Mittel, als Bauherr aufzutreten – und Wien, nach 1683 von der Türkengefahr befreit, wuchs über die Stadtmauern hinaus.
Das Winterpalais in der Himmelpfortgasse
In der Inneren Stadt ließ er sich zuerst von Johann Bernhard Fischer von Erlach, dann von Johann Lucas von Hildebrandt ein Stadtpalais bauen. Atlanten und Herkules am Stiegenhaus, Schlachtengemälde und Deckenfresken feierten den Hausherrn. Nach seinem Tod kam das Palais an den Staat; seit dem 19. Jahrhundert ist es Sitz des Finanzministeriums. Von 2013 bis 2017 waren die Prunkräume zeitweise Ausstellungsort des Belvedere.
Das Belvedere: ein schöner Blick
Vor der Stadt kaufte Eugen ein großes Grundstück am Hang – zunächst für einen Garten. Daraus wurde eine der schönsten barocken Anlagen Europas, ebenfalls von Hildebrandt: das Untere Belvedere und, 1723 vollendet, das Obere Belvedere, verbunden durch einen terrassierten Garten. Der Name ist Programm: Vom Oberen Belvedere blickt man über die Stadt.
Nach Eugens Tod verkaufte seine Erbin vieles aus seinen Sammlungen; die Habsburger erwarben schließlich das Schloss. Im Oberen Belvedere hing ab dem späten 18. Jahrhundert die kaiserliche Gemäldegalerie – öffentlich zugänglich, bis sie ins neue Kunsthistorische Museum übersiedelte. Später wohnte hier Thronfolger Franz Ferdinand.
Klimt und mehr
1903 wurde im Unteren Belvedere die „Moderne Galerie“ eröffnet. 1908 kaufte der Staat Gustav Klimts „Der Kuss“ – bis heute das berühmteste Bild des Hauses. Das Belvedere besitzt eine der größten Klimt-Sammlungen der Welt; Klimts Porträt Adele Bloch-Bauers wurde 2006 an die Erben restituiert. Daneben zeigt das Museum Barock, Biedermeier (Waldmüller, Amerling), Schiele, Kokoschka und Kunst bis in die Gegenwart; zeitgenössische Kunst ist vor allem im Belvedere 21 zu sehen.
Öffnungszeiten und Tickets bitte vorab auf der Website des Belvedere prüfen.
Dieser Beitrag beruht auf dem Artikel „И в городе, и за городом“ („In der Stadt und vor der Stadt“) von Jekaterina Kosertschuk-Pisnjatschewskaja im Magazin Code 43, Frühling/Sommer 2015, und wurde für code43.at neu bearbeitet.