Hundertwasser: Rebell für eine bessere Welt
Keine geraden Linien, Bäume auf dem Dach, kein Fenster wie das andere: Friedensreich Hundertwasser hat Wien Häuser hinterlassen, die heute so zur Stadt gehören wie ihre Barockpaläste.
Wer war Hundertwasser?
Geboren wurde er am 15. Dezember 1928 in Wien als Friedrich Stowasser. An der Akademie der bildenden Künste hielt er es nur drei Monate aus – danach ging er seinen eigenen Weg. Aus der Silbe „Sto“, die in slawischen Sprachen „hundert“ bedeutet, machte er „Hundert“, aus Friedrich „Friedensreich“. Später kamen die Beinamen Regentag – an Regentagen, sagte er, leuchten die Farben am schönsten – und Dunkelbunt hinzu.
Seine Lieblingsform war die Spirale, Sinnbild für Leben und Wachstum. Gegen das Lineal und die gerade Linie, gegen eine Architektur, die Menschen in gleichförmige Kästen sperrt, schrieb und sprach er sein Leben lang an – einmal sogar nackt, in der „Nacktrede für das Anrecht auf die dritte Haut“. Nach seiner Lehre hat der Mensch fünf Häute: die eigene Haut, die Kleidung, das Haus, die soziale Umgebung und schließlich die Welt.
Kunst Haus Wien
In einer ehemaligen Fabrik der Möbelfirma Thonet aus dem Jahr 1892 im 3. Bezirk entstand nach seinen Plänen das Kunst Haus Wien, eröffnet 1991. Unregelmäßige, bunte Elemente aus Glas, Metall, Keramik und Holz verwandelten das unauffällige Gebäude, unebene Böden und Pflanzen gehören zum Konzept. Gezeigt werden Werke Hundertwassers selbst und wechselnde Ausstellungen.
Hundertwasserhaus
Nur wenige Gehminuten entfernt steht das Hundertwasserhaus an der Ecke Kegelgasse/Löwengasse, gebaut 1983–1985 gemeinsam mit den Architekten Josef Krawina und Peter Pelikan. Es ist ein Gemeindebau der Stadt Wien – also geförderter Wohnbau, in dem Menschen wohnen. Rund 250 Bäume und Sträucher wachsen auf den Terrassen, und nach dem Prinzip der „Fensterrechte“ sieht kein Fenster aus wie das andere. Das Haus ist bewohnt und nur von außen zu besichtigen.
Spittelau und darüber hinaus
Ende der 1980er-Jahre gestaltete Hundertwasser die Fassade und den Schornstein der Müllverbrennungsanlage Spittelau, die Fernwärme für Wien liefert. Weitere Bauten nach seinen Entwürfen stehen u. a. im steirischen Bad Blumau (Thermenhotel), in Darmstadt („Waldspirale“) und in Magdeburg („Grüne Zitadelle“). In Kawakawa auf Neuseeland gestaltete er sogar eine öffentliche Toilette.
Hundertwasser starb am 19. Februar 2000. Begraben ist er, wie er es wollte, auf seinem Land in Neuseeland – ohne Sarg, unter einem Tulpenbaum.
Dieser Beitrag beruht auf dem Artikel „Хундертвассер. Бунт за мир“ („Hundertwasser. Aufstand für den Frieden“) von Olga Kutschko im Magazin Code 43, Winter 2013/2014, und wurde für code43.at neu bearbeitet.