Die Original Wiener Schneekugel
Eigentlich wollte ein Wiener Instrumentenmacher eine hellere Operationslampe bauen. Herausgekommen ist eines der bekanntesten Souvenirs der Welt – bis heute in Hernals gefertigt.
Ein Versuch, der schiefging – zum Glück
Ende des 19. Jahrhunderts suchte der Wiener Chirurgieinstrumentenmacher Erwin Perzy nach einer helleren Beleuchtung für Operationssäle. Er experimentierte mit der „Schusterkugel“, einem wassergefüllten Glaskolben, der das Licht einer Lampe bündelt. Um die Wirkung zu verstärken, gab er kleine Partikel ins Wasser – überliefert ist, dass er es dabei auch mit Grieß versuchte. Die Lampe wurde nicht heller, aber die wirbelnden Teilchen sahen aus wie Schnee.
Ein Freund mit einem Andenkenstand bat ihn um ein Souvenir für Wallfahrer nach Mariazell: In eine Glaskugel kam ein kleines Modell der Basilika, dazu Wasser und „Schnee“. Um 1900 gründete Perzy mit seinem Bruder Ludwig einen eigenen Betrieb – die Wiener Schneekugelmanufaktur.
Ein Familienbetrieb
Die Manufaktur in der Schumanngasse im 17. Bezirk ist bis heute in Familienhand. Zusammensetzung von Flüssigkeit und Schnee bleiben Betriebsgeheimnis. Neben Wiener Motiven wie dem Riesenrad oder dem Stephansdom entstehen auch Sonderanfertigungen. Die Familie erzählt gern von besonderen Aufträgen – etwa einer Kugel für das Team von Bill Clinton nach seiner Wahl zum US-Präsidenten.
Berühmt wurde die Schneekugel auch durch das Kino: In Orson Welles' „Citizen Kane“ (1941) ist sie eines der zentralen Bildmotive.
Besuch
Zur Manufaktur gehört ein kleines Museum mit Verkauf. Öffnungszeiten und Möglichkeiten für Besuche bitte vorab auf der Website der Manufaktur prüfen.
Dieser Beitrag beruht auf dem Artikel „Снежный шар“ („Die Schneekugel“) im Magazin Code 43, Winter 2014/2015, und wurde für code43.at neu bearbeitet.