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Museen

Die Kunstkammer Wien und die Saliera

Elfenbein, Goldschmiedekunst, Automaten und ein goldenes Salzfass, das einmal im Wald vergraben lag: ein Rundgang durch das Museum im Museum des Kunsthistorischen Museums.

Illustration kunstvoller goldener Gefäße und einer dekorativen Uhr in einem historischen Museumssaal.

Die Welt in einem Raum

Kunst- und Wunderkammern entstanden an europäischen Fürstenhöfen im späten Mittelalter und erlebten ihre Blüte in Renaissance und Barock. Sie sollten das Wissen ihrer Zeit versammeln – alles, was es auf der Erde, im Meer und am Himmel gibt. Wer eine solche Sammlung besaß, zeigte sich als Herr über einen kleinen Kosmos.

Die Habsburger sammelten über Jahrhunderte. Besonders prägten die Wiener Kunstkammer:

  • Erzherzog Ferdinand II. von Tirol (1529–1595) mit seiner Kunstkammer auf Schloss Ambras bei Innsbruck,
  • Kaiser Rudolf II. (1552–1612), an dessen Prager Hof Goldschmiede- und Steinschneidekunst entstanden,
  • Erzherzog Leopold Wilhelm (1614–1662), Statthalter der Niederlande, mit seinen Renaissancebronzen.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Bestände im 1891 eröffneten Kunsthistorischen Museum vereint. Nach rund zehn Jahren Umbau ist die Kunstkammer seit dem 1. März 2013 wieder zugänglich: etwa 2.160 Objekte in 20 Themenräumen.

Spielzeug für die Tafel

Zu den Lieblingen der Besucher gehören die mechanischen Automaten, die einst Gäste bei Festbanketten unterhielten. Beim Tafelautomaten „Diana auf dem Kentauren“ setzt ein Uhrwerk die silberne Figur in Bewegung: Der Kentaur rollt über den Tisch, verdreht die Augen und schießt einen Pfeil ab. Wen er traf, der musste – so der Brauch – seinen Becher leeren.

Die Saliera

Das berühmteste Stück ist die Saliera von Benvenuto Cellini, ein goldenes, emailliertes Salzfass, entstanden in den 1540er-Jahren für König Franz I. von Frankreich. Neptun und die Erdgöttin Tellus sitzen einander gegenüber, die Beine ineinander verschränkt – Meer und Land. Neben Neptun steht ein Schiff für das Salz, neben Tellus ein Tempelchen für den Pfeffer. Kleine Elfenbeinkugeln unter dem Ebenholzsockel machen das Kunstwerk über die Tafel beweglich.

Nach der Hochzeit Karls IX. von Frankreich mit Elisabeth von Österreich kam die Saliera als Geschenk an Erzherzog Ferdinand II. und damit nach Ambras, später nach Wien.

Gestohlen und wiedergefunden

In der Nacht auf den 11. Mai 2003 stieg ein Dieb über ein Baugerüst in das Museum ein und nahm die Saliera mit. Fast drei Jahre lang blieb sie verschwunden. Erst im Jänner 2006 führte der überführte Täter die Polizei zu einem Waldstück bei Brand im Waldviertel, wo er sie vergraben hatte. Heute steht die Saliera wieder in der Kunstkammer – hinter Panzerglas.

Öffnungszeiten und Eintritt bitte vorab auf der Website des Kunsthistorischen Museums prüfen.

Dieser Beitrag beruht auf dem Artikel „Кунсткамера в Музее истории искусств“ („Die Kunstkammer im Kunsthistorischen Museum“) von Natalja Nowik im Magazin Code 43, Winter 2013/2014, und wurde für code43.at neu bearbeitet.

Quellen & Hinweise

  1. Kunsthistorisches Museum Wien – official website
  2. Wikipedia: Kunstkammer Wien
  3. Wikipedia: Saliera

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