Der Prater und die Republik Kugelmugel
Kaiserliches Jagdrevier, Volksvergnügen, Weltausstellung – und eine kugelrunde Republik: Die Geschichte des Praters ist so bunt wie sein Wurstelprater.
Vom Jagdrevier zum Park für alle
Erstmals urkundlich erwähnt wird das Gebiet in den Donauauen 1162. Im 16. Jahrhundert machte Kaiser Maximilian II., ein leidenschaftlicher Jäger, den Prater zu seinem Jagdrevier. 1766 öffnete Joseph II. ihn für die Öffentlichkeit – bald darauf durften sich Kaffeesieder, Wirte und Schausteller ansiedeln.
Heute umfasst der Prater weit mehr als den Vergnügungspark: die rund 4,5 Kilometer lange Hauptallee mit ihren Kastanien bis zum Lusthaus, Wiesen und Auwald, die Messe, Sportstätten und die Trabrennbahn Krieau.
Der Wurstelprater
Der Name des Vergnügungsparks geht auf den Hanswurst zurück, die lustige Figur der Puppen- und Volkstheater. Über die Jahrhunderte kamen Ringelspiele, Panoptiken, Grottenbahnen und später elektrische Fahrgeschäfte hinzu. Das Wahrzeichen steht seit 1897: das Riesenrad.
Für die Weltausstellung 1873 entstand im Prater die Rotunde, deren Kuppel zu ihrer Zeit als größte der Welt galt. Sie brannte 1937 ab.
Eine Republik im Prater
Neben dem Wurstelprater steht ein Kugelhaus von acht Metern Durchmesser: die Republik Kugelmugel. Der Künstler Edwin Lipburger hatte die Kugel 1971 in Katzelsdorf in Niederösterreich ohne Baugenehmigung errichtet. Im Streit mit den Behörden rief er 1976 die eigene Republik aus, gab Briefmarken heraus – und wurde 1979 wegen Amtsanmaßung zu zehn Wochen Haft verurteilt. 1982 holte die Stadt Wien die Kugel in den Prater. Anerkannt ist die Republik natürlich von niemandem; besichtigen lässt sie sich nur von außen.
Dieser Beitrag beruht auf einem Artikel über den Prater von Olga Tschupowa im Magazin Code 43, Sommer 2014, und wurde für code43.at neu bearbeitet.