Advent in Österreich: Kranz, Kalender und „Stille Nacht“
Violett ist die Farbe der Adventszeit, Zimt ihr Duft. Viele Bräuche, die heute dazugehören, sind jünger, als man denkt – und einer der bekanntesten kommt aus dem Salzburger Land.
Vier Wochen Warten
Mit dem vierten Sonntag vor Weihnachten beginnt der Advent (lateinisch adventus, „Ankunft“) und mit ihm das neue Kirchenjahr. Die liturgische Farbe ist Violett, die Farbe der Besinnung. Nur am dritten Adventsonntag, „Gaudete“, darf es Rosa sein – Freude, weil Weihnachten nahe ist. In vielen Kirchen werden an Werktagen früh am Morgen Rorate-Messen gefeiert, oft nur bei Kerzenlicht.
Der Kranz aus Hamburg
Der Adventskranz ist keine alte Tradition, sondern rund 190 Jahre alt. 1839 hängte der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern im „Rauhen Haus“ in Hamburg, einem Heim für arme Kinder, ein Wagenrad mit Kerzen auf – kleine für die Werktage, große für die Sonntage. So konnten die Kinder die Tage bis Weihnachten zählen. Später blieben vier Kerzen, eine für jeden Sonntag, und der Brauch fand auch in katholischen Gegenden wie Österreich seinen Platz.
Der Kalender
Auch der Adventskalender soll das Warten verkürzen. Anfang des 20. Jahrhunderts begann der Münchner Verleger Gerhard Lang Kalender mit Bildern zum Ausschneiden und später mit Türchen zu drucken – der Legende nach, weil ihn als Kind die Frage „Wie lange noch?“ beschäftigt hatte. Anders als der Kranz zählt der Kalender meist ab dem 1. Dezember.
„Stille Nacht“ aus dem Salzburger Land
Das bekannteste Weihnachtslied der Welt ist österreichisch. Den Text schrieb der Hilfspfarrer Joseph Mohr 1816 in Mariapfarr im Lungau; vertont hat ihn Franz Xaver Gruber, Lehrer und Organist. Zum ersten Mal erklang „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ am 24. Dezember 1818 in der Kirche St. Nikolaus in Oberndorf bei Salzburg – gesungen von den beiden Autoren, begleitet von der Gitarre. Dass die Orgel damals kaputt gewesen sei, ist eine verbreitete, aber unbelegte Erzählung.
Tiroler Sängerfamilien wie die Rainers und die Strassers trugen das Lied in die Welt, oft ohne die Namen der Autoren. Erst Jahrzehnte später schrieb Gruber auf Anfrage nieder, wie es entstanden war. An der Stelle der alten Kirche in Oberndorf steht heute die Stille-Nacht-Kapelle.
Krippen und Christkindlmärkte
Krippen mit Figuren der Weihnachtsgeschichte sind seit dem Mittelalter verbreitet; als Anreger gilt Franz von Assisi. In Wien lohnt sich in der Weihnachtszeit ein Blick in die Minoritenkirche nahe der Hofburg.
Märkte im Dezember gibt es in Wien seit dem späten Mittelalter. Der heute bekannteste, der Wiener Christkindlmarkt, hat seit 1975 seinen festen Platz vor dem Rathaus. Termine der Märkte bitte jedes Jahr aktuell prüfen.
Dieser Beitrag beruht auf dem Artikel „Фиолетовый с корицей“ („Violett mit Zimt“) im Magazin Code 43, Winter 2014/2015, und wurde für code43.at neu bearbeitet.